ZDF.reportage | Räum dein Leben auf – wenn Profis Ordnung machen

Format
Sendetermin
8. März 2020 - 18:00
Sender
ZDF

Deutschland erstickt im Überfluss. Wir kaufen, kaufen, kaufen. Und wissen irgendwann nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug. Vor 100 Jahren kam eine Familie in ihrem Haushalt mit rund 180 Gegenständen aus. Heute besitzt sie laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt 10.000 Dinge. Doch wie viel davon brauchen wir wirklich für ein gutes Leben? Die Lösung heißt Loslassen. Viele folgen dem neuen Trend: Deutschland ist im Aufräum-Fieber. Recyceln statt wegwerfen, Ausmisten statt horten.

ZDF.reportage begleitet Anika Schwertfeger aus Berlin. Sie ist Aufräum-Profi und hilft Menschen, unnötigen Ballast abzuwerfen und neue Ordnung in ihr Leben zu bringen. Dabei arbeitet die 32-Jährige nach der Kon Mari-Methode, mit der die Japanerin Marie Kondo weltweit für Furore gesorgt hat. Die gelernte Wirtschaftspsychologin unterstützt regelmäßig hilfesuchende Kundinnen dabei, sich von den vielen ungetragenen Kleidungsstücken zu trennen, die ihre Schränke und Schubladen verstopfen. Anika Schwertfegers Methode ist radikal: erst wird alles ausgeräumt, dann jedes Einzelteil nacheinander in die Hand genommen. Emotionen spielen eine große Rolle in der Welt der Profi-Aufräumerin. Nur was positive Gefühle auslöst, darf wieder eingeräumt werden – und zwar nach einer speziellen Falttechnik. Der Rest kommt weg. Und ihren Kunden, so Schwertfeger, geht es danach viel besser.

So ist es auch im Fall des alleinerziehenden Vaters Lars Kaphengst, der mit seinen Kindern Lea (10) und Lukas (14) in einer 90-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Köpenick lebt. Nach der Trennung von der Mutter der gemeinsamen Kinder will der Beamte neu anfangen und die vielen überflüssigen Dinge loswerden, mit denen er die Wohnung jahrelang vollgestopft hat. Dabei geht er so gründlich vor, dass am Ende sogar seine Ex-Partnerin begeistert ist.

Vom Aufräumen lebt auch Sascha Pilgrimm aus Berlin. Vor sieben Jahren gab der 43-Jährige seinen Hausmeister-Job auf und machte sich selbstständig als Entsorger und Entrümpler. In 80 Prozent seiner Aufträge geht es um Haushaltsauflösungen. Meist ist ein Mensch gestorben. Ein ganzes Leben geht dann durch Pilgrimms Hände. Nicht alles landet auf dem Müll, einiges wird von Pilgrimm wiederverwertet. In dem geschmackvoll eingerichteten Haus, das er zusammen mit seiner Frau, einer Polizistin, und Tochter Greta bewohnt, gibt es kaum gekaufte Möbel. Manchmal bekommt Sascha Pilgrimm auch besonders schwierige Aufträge: Dann ist eine sogenannte Messie-Wohnung auszuräumen. Geschätzt zwei Millionen Messies gibt es in Deutschland. Die Anblicke und Eindrücke, die sich dem Profi-Aufräumer dann bieten, sind nichts für sensible Gemüter.